Wissenstransfer und Public Health. Prävention im Schnittpunkt von Sprach- und Sozialwissenschaft (Bayreuth, 06. - 08.10.2004)

Gesundheitskommunikation, insbesondere die Vermittlung medizinischen Wissens, ist in den letzten Jahren in den Fokus gesprächsanalytischer Untersuchungen gerückt. Neben verschiedenen Interaktionssituationen im Rahmen von Arzt-Patienten-Kommunikation sind dabei vor allem mediale Vermittlungsformen und -praktiken berücksichtigt worden. Die meisten Arbeiten konzentrieren sich auf einsprachige Vermittlungsprozesse in westlichen Industrienationen. Gesprächsanalytische Studien, die sich mit der Vermittlung in ethnisch-kulturell und sprachlich heterogenen Kontexten befassen, wie dies für die Präventionsarbeit in afrikanischen Ländern konstitutiv ist, stellen bislang die Ausnahme dar.

Die Konferenz „Wissenstransfer und Public Health. Prävention in Schnittpunkt von Sprach- und Sozialwissenschaft“ nahm dieses Desiderat zum Ausgangspunkt und fragte vor dem Hintergrund der im afrikanischen Kontext besonders virulenten Präventionsproblematik nach Theorieansätzen und Lösungskonzepten. Dabei zielte die Konferenz darauf ab, neben den sprach- auch sozialwissenschaftlichen Ansätzen ein Forum zu bieten, wobei in theoretisch-methodischer Hinsicht der Fokus auf einem gesprächsanalytischen Zugang liegen sollte. Im Zentrum der interdisziplinären Auseinandersetzung standen Formen und Strategien des Wissenstransfers. Eine besondere Rolle kam hier den unterschiedlichen Veranschaulichungsverfahren (z. B. Metaphern, Reformulierungen, Narrationen) zu. Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Diskussion der Kulturgebundenheit der Präventionsarbeit. Auch methodische Fragen der Erfassung und Evaluierung von Präventionsmaßnahmen sowie die Relevanz medialer Diskurse (Internet, Fernsehen, Radio, Literatur) wurden im Rahmen der Tagung diskutiert. Im Einklang mit der interdisziplinären Zielsetzung der Konferenz wurde zudem eine enge Verknüpfung von einerseits methodisch-theoretischen Vorträgen aus den genannten Arbeitsgebieten und andererseits Arbeitsberichten aus der Praxis gesucht.

Zu diesem zweiten Aspekt referierten sowohl Finanzgeber von Präventionskampagnen wie auch Personen, die selbst in der Präventionsarbeit aktiv sind. Die Ergebnisse der Tagung sind in folgendem Sammelband publiziert:

Drescher, Martina / Klaeger, Sabine (Hrsg.) (2006): Kommunikation über HIV/Aids. Interdisziplinäre Beiträge zur Prävention im subsaharischen Afrika. Beiträge zur Afrikaforschung, Band 27. Münster: LIT Verlag. ISBN 3-8258-9113-5.


Inhaltsverzeichnis des Sammelbands

Einleitung
Martina Drescher, Sabine Klaeger
1
Sprachliche Markierungen alltagsweltlicher Diskurse in der HIV/Aids-Prävention Burkina Fasos
Martina Drescher
15
Wissenstransfer und Adressatenorientierung. HIV/Aids-Prävention in Burkina Faso
Kirsten Schindler
49
Wissenstransfer im Unterricht
Michael Becker-Mrotzek
71
Bearbeitung traditioneller Wissensbestände in Ausbildungskursen für Peer Educators
Susanne Horstmann
93
Das, was kommt, schlägt nicht die Trommel. Botschaften von Aids-Aufklärungsplakaten der postkolonialen Wendezeit in Malawi
Angelika Wolf
117
HIV/Aids-Prävention im Radio: Micro-trottoir und Experteninterview
Sabine Klaeger
155
Sida dans la cité – TV-Formate in der Wissensvermittlung über Aids in Burkina Faso und Côte d’Ivoire
Ute Fendler
185
HIV/Aids-Prävention, endogenes Wissen und sozioökonomische Bedingungen: eine Fallstudie zu Ouahigouya (Burkina Faso)
Maryvonne Charmillot
201
Prevention is like telling people: Ey, stop loving. Ansätze und Problemfelder massenmedial vermittelter Aids-Prävention im südlichen Afrika
Matthias Rompel
219
Über HIV/Aids und Modernisierung im südlichen Afrika
Reimer Gronemeyer
237
Kultur und HIV/Aids-Prävention in Afrika südlich der Sahara
Olaf Hirschmann
261
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist stark. Aids-Prävention im Spannungsfeld von Vernunft, Trieb und Gefühl
Hermann Schuster
279
Zu den Autorinnen und Autoren 295

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